Fafnirs Spielplatz

5.11.2005 - Adolf TV

Folgener Artikel stammt nicht von mir. Ich stelle ihn nur hier rein, weil die Seite auf der er ausgestellt ist, mit Porno-Links verkabelt ist, dem Artikel unwürdig wie ich finde.

 

In der nicht mehr ganz aktuellen Ausgabe der "Max" (Nr. 3 vom 24.2.200) ist auf Seite 82/83 folgender Kommentar von Redakteur Rainer Schmidt zu lesen:

 

 

Unser Adolf-TV

 

Warum Sendungen wie „Die Burg“, „Big Brother“ & Co. den Neonazis nutzen.

Als kürzlich mal wieder ein paar tausend Nazis fröhlich vor den gern stramm stehenden TV-Kameras durch eine deutsche Stadt marschierten und sich CSU und Regierung darüber stritten, ob jetzt Schröders Arbeitslose oder die knallharte Globalisierung der Wirtschaft den Rechten mehr hilft, gab mir beim Zappen Pro Sieben die Antwort. Auf dem Bildschirm erschien der so genannte Elton, der als „Burg“-Moderator an der Seite von Sonja Kraus für neue Niveau-Tiefenrekorde gesorgt hat, und plötzlich fiel mir auf: Der sieht ja aus wie Sachsens NPD-Fraktionschef Holger Apfel. Aber da hören die Ähnlichkeiten nicht auf. Beide faszinieren junge Deutsche, beide wirken in ihrer teigig-tumben Art wie von der englischen Boulevardpresse erfunden: Der eine als humorloser Beweis für die hoffnungslose Geistesfeindlichkeit der Deutschen (Elton), der andere als geistesfreier Beweis für ihre hoffnungslose Hitler-Fixierung (Apfel). Und deshalb gehören beide auch zusammen: Denn wer so ein Fernsehen macht, braucht sich über Zulauf bei den Nazis nicht zu wundern.
Die Reality-Show „Die Burg“ auf Pro Sieben mit Moderator Elton hat exemplarisch und drastisch wie vielleicht keine andere Sendung jemals zuvor gezeigt, was der Bremer Professor Paul Nolte meinte, als er über die deutschen Privatsender schrieb: Die „Klassendifferenzierung des Fernsehens (…) hat ein spezielles Unterschichtsfernsehen entstehen lassen.“
Pro Sieben hab sich alle Mühe, diesem Anspruch gerecht zu werden: Auf der „Burg“ urinierten verwahrloste Existenzen wie Frederic Prinz von Anhalt vor laufender Kamera in Wadewannen und schlugen „Busenwundern“ die Silikonkissen kaputt, TV-Proletarierinnen wie die verhaltensauffällige Kader Loth knallen Mitspielern Marmelade ins Gesicht – das freut den Sender, das steigert die Quote und fördert die erbarmungslose Discounter Mentalität der TV-Anbieter nach dem Motto: „Billig? Da stehen die doch drauf!“ Willkommen im Pro-Sieben-Gesellschaftsmodell Deutschland 2005.

Doch damit sind sie natürlich nicht allein. Diese Art Unterschichtskultur ist bei allen Privaten längst Mainstream und zieht sich von der „Burg“ über „Die Alm“ bis hin zum Dauer-„Big Brother“, von den Abgründen der Nachmittags-Talkshows ganz zu schweigen. Zoten-Terror, Schwachen-Bashing, Intellektuellen-Hass und eine Glorifizierung des Banalen sind zentraler Teil des Programms. So viel Trostlosigkeit war selten.
Na und, mögen Sie jetzt sagen, ein paar schlechte Witze machen doch noch keinen Nazi. Stimmt. Aber es gut um das Weltbild, das diesen Sender ihren oft jungen Zuschauern der unterprivilegierten Schichten predigen. Denn alle Umfragen zeigen: Je ungebildeter und unpolitischer die Menschen sind. Desto kritischer sehen sie die Demokratie, weil sie deren scheinbar komplizierte Mechanismen nicht verstehen. Und desto anfälliger sind sie für die scheinbar simplen Antworten der Rechten. Die mediale Stumpfsinns-Offensive ist aber nichts anderes als Teil einer geradezu systematisch betriebenen Entpolitisierungs-Kampagne. Denn die Inhaltsleere und Perspektivlosigkeit der Blödel-Formate geht Hand in Hand mit einer Weigerung dieser Boulevardmedien, auf ihren anderen Sendeplätzen die meist etwas komplizierteren politischen Vorgänge überhaupt noch erklären zu wollen. Oder wie Paul Nolte, der neue „intellektuelle Fähnleinführer“ (Die Zeit) des Bürgertums, feststellt: „Überspitzt gesagt tauchen Politiker dort fast nur noch als Menschen auf, die sich die Taschen voll stopfen und die Bürger übers Ohr hauen.“
Wer aber gerade Jugendlichen nichts richtig erklärt, sie mit Flachsinn ruhig stellt und ihnen gleichzeitig unsere Demokratie als prinzipiell unüberschaubares, verkommenes System darstellt, in dem die demokratisch gewählten Vertreter nur als egomanische Raffzähne auftauchen, darf sich nicht wunder, wenn sich die Jugendlichen nach Alternativen zu dieser Art von Demokratie umschauen und so offen werden für braune Propaganda und deren Heilversprechen.
Der grenzenlose Opportunismus und die Verantwortungslosigkeit der Fernsehmacher, die wider besseres Wissen ihre Unterschichtenklientel nur als Konsumenten abschöpfen, ohne aufklärerisch arbeiten zu wollen, und deren teilweise archaische Verhaltensnormen auch noch zum Kult erheben (Prügel statt Diskurs! Asozial statt solidarisch! Doof ist geil!) ist auch nur Ausdruck einer allgemeinen, an Apathie grenzenden Interesselosigkeit derjenigen, die als bürgerliche Eliten eigentlich Vorbildfunktion haben sollten. Denn natürlich wissen die Verantwortlichen, dass man mit dem Weltbild, das sie verbreiten, keine Zivilgesellschaft schaffen kann. Aber ein Engagement, das über reine Quotenhörigkeit hinausgeht, erscheint ihnen entweder nicht angebracht oder zu anstrengend. Das gilt nicht nur für die Fernsehmacher, sonder für die meisten Eliten in diesem Lande: Obwohl die Situation in der Republik nicht gut ist, fehlt die Fantasie für eine bessere Gesellschaft, auf die man hinarbeiten könnte. Noch einmal Nolte: „Die Menschen haben keine Ideen, welche Verbesserungen sie noch fordern sollten.“ Tolle Aussichten für orientierungsbedürftige Jugendliche.
Kein Wunder also, dass die Organisatoren der Nazis gerade hier ansetzen. Immer geschickter treten sie auf Schulhöfen und in Jugendzentren auf, nicht als brutale Skinheads, sondern als verständnisvolle Zeitgenossen, die Gemeinschaftserlebnisse und Inhalte vermitteln wollen, die in den Agen der Angesprochenen über reinen Konsumismus und hohle Witze hinausgehen. Sie können den Jugendlichen durchaus gesellschaftliche Ziele nennen – auf wenn diese uns abstrus erscheinen mögen – und das Ganze auch noch mit dem Ruch des teilweise Verbotenen attraktiv verpacken. „Es entsteht eine Art rechte Erlebniskultur“, sagt Bianca Klose, Chefin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) in Berlin. Je inhaltsfreier aber an zentralen gesellschaftlichen Stellen wie im Fernsehen gearbeitet wird, desto dankbarer werden die braunen Alternativen wahrgenommen. Oder wie es bei Karl Kraus einst hieß: „Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.“ Die Folge: In weiten Teilen Ostdeutschlands etwa ist der Mainstream der Jugendkultur bereits rechts.

Und wo wir gerade die Privaten an den Pranger stellen, müssen wir einmal kurz den Rest erwähnen, gerade in diesen Monaten der Kriegs-Erinnerungsorgien: Dazu zählt der Schlachten-Countdown täglich in Bild, in der Welt natürlich auch, wöchentlich im Spiegel sowieso, um Fernsehen Guido Knopp praktisch rund um die Uhr auf allen Kanälen. Adolfs großer Krieg bringt noch einmal Auflage und Einschaltquote und macht Stimmung im Land: letzte Gefechte hier, letzter Heldentod da, ein bisschen Feldpost, ein bisschen Vertreibung, ein bisschen Zusammenbruch, ganz schön viele Bomben und rührende Bunker-Erinnerungen, ab und zu auch ein klein wenig Befreiungsgefühl, aber nicht zu viel. Welches Programm man auch einschaltet – alte Krieger, alte Nazis, alter Volkssturm und deutsche Trümmer überall: So viel Drittes Reich war selten. Und trotzdem tun alle überrascht, wenn all diese jungen Leute plötzlich so NS-fixiert sind. Ja, wo haben sie das bloß her? Komisch auch.
Aber so ist das eben: Wer das Massenmedium Fernsehen als inhaltsfreies Verblödungsinstrument missbraucht und gleichzeitig die unbedarften Zuschauer mit Weltkriegs-Fetischismus auf allen Kanälen zu alles Zeiten paralysiert, der kriegt die Jung-Nazis, die er verdient.

(c) Rainer Schmidt / Max

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4.11.2005 - Der Geist der Zeit

Ich war da und hab gesehen wie die Erde entstand,

mein Weg führte zu den Pharaonen.

Ich habe Troja gesehen, sah wie Atlantis verschwand.

Ich sah Einstein und sine relativen Visionen

Und ich werde da sein, wenn Menschen fremde Planeten bewohnen.

 

Als sich die Kontinente bildeten, konnte ich es sehen

Und als die Evolution begann, hielt ich den Atem an.

Ich sah den Menschen laufen und gehen

Seine Herrschaft dauert nun schon Jahrtausende an.

Es ist für mich nur eine Sekunde lang.

 

Ich bin der Geist der Zeit,

allgegenwärtig wie Licht und Schatten.

Ich sah manch schöne Maid,

umworben von mutigen Knappen,

die um sie kämpften, mit Schwert und Wappen.

 

Und ich sah neue Waffen, sie brachten neue Bedrohung.

Ich sah Schiffe mit gefährlicher Fracht.

Ich sah die Columbus, Neuland Eroberung.

Ich sah ungleiche Kämpfe, um Land und Macht.

Der Verlierer versklavt, der Gewinner mit Gold bedacht.

 

Und doch es war der Mensch, der versuchte mich zu begreifen.

Von allen Wesen schaffte er es allein.

In vielen seiner Formeln gibt es mich schon als Zeichen.

Mit Experimenten trennte er Wahrheit von Schein,

und doch werde ich für ihn immer ungreifbar sein.

 

Es gibt mich schon ewig und es wird mich ewig geben.

Ich sah das erste Schiff, das erste Boot, das erste Floß,

ich sah Waffen und sie nahmen Leben.

In zahlreichen Kriegen war die Zerstörung oft groß.

Aber auch wenn ich einschreiten will, ich bin machtlos.

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16.10.2005 - Klingeling

Das neue Jamba Sparabbo! Holt es euch jetzt! 100 Songs zum Preis von 99! Keine nachgesungenen Coverversionen! Holt euch eure Helden Tokio-Hotel aufs Handy!
Das, und noch einiges mehr muss sich der leidgeprüfte Musikfreund alle 20 Minuten anhören und ansehen, wenn er mal wieder ein bisschen Viva und MTV schaut. Als wär man nicht schon genug damit gestraft, dass die Pausen zwischen der Werbung mit Spaßkanonen wie Banarooooooo und Chicks vollgepflastert sind, bombardieren Bob Mobiles Jamba Argonauten einen auch noch in den wohlverdienten Ohrentspannung-von-dieser-Scheiß-Musik-Pausen. Doch schauen wir doch einmal hinter die Kulissen einer solchen Geldmachmaschine, den das erklärte Ziel von Firmen wie Jamba ist es immer noch Geld zu machen, nicht den Zuschauer zu nerven, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte. Schaut man sich so eine Firmenfiliale an, sieht man knackige 20-jährige (immer möglichst nahe an der Zielgruppe orientiert, möchte man denken, doch die ist durchschnittliche 13 Jahre alt), die da vor ihrem Schreibtisch sitzen, mit einem Keyboard an den Computer angestöpselt, und kräftig in die Tasten hauend. Sieht man mal von der Geschäftsleitung, die die Arbeit dirigiert, und der Marketingabteilung, der wir es zu verdanken haben, dass der Mist bunt, grell und laut durch den Äther gejagt wird, ab, ergibt das ein kleines simpel gestricktes Ganzes, das monatlich fetteste Gewinne einfährt. Wie viel genau, wird geheimgehallten, doch da Umfragen bei der Zielgruppe (11-22 Jahre) zu Tage führten, das diese mehr Geld für Logos und Klingeltöne ausgaben, als für das tatsächliche telefonieren und simsen, dürfte der Nettoumsatz einen aus den Schuhen hauen. Trotzdem sollte man diesen Unternehmen keinen Vorwurf machen. Sie verfolgen einfach nur die Grundidee des Kapitalismus und machen aus Dreck Geld.
Dabei war die Grundidee doch keine schlechte: jeder konnte sich einen Klingelton runterladen, damit, wenn ein Handy klingelte, jeder wusste, dass es nicht sein eigenes war. Aber wo genau war der Punkt, an dem die Idee dem Wahnsinn verfiel? Es muss doch einen Schuldigen geben, der dafür verantwortlich ist, dass bei allen Privatsendern der Klingelton die Werbung beherrscht. Manche behaupten, das Abbo wäre schuld, da es den Abonnenten dazu verleitete mehr zu laden als er braucht, da er dies doch zu einem Vorzugspreis macht. Andere Stimmen meinen, die Privatsender, da sie ihre Werbepausen dem Gedudel überlassen, aber wie die Klingeltonfabriken selbst verfolgen sie nur den Profit. Wer also ist der Schuldige? Sollte es am Ende etwa keinen geben? Und doch, es gibt ihn: der Sammler. Er erhält die Klingelton-Werbung-Kombo am Leben. Unermüdlich jagt er durch die Programme, auf der Suche nach Werbung und einem Abbo, das er noch nicht hat und verklingelt das ganze Geld seiner Eltern. Vollkommen zweckentfremdet listet er die witzigen Töne auf, spielt sie sich immer wieder vor und freut sich, dass er nicht der einzige war, der so blöd war seine Taschengeld für Klingeltöne rauszuwerfen, denn in der Schule warten bereits andere Werbegeschädigte, die den letzten Nachmittag genau so verbracht haben wie er. Und DAS ist auch das wahre Problem: die Sippe der Sammler. Der Ort an den er sich zurückzieht, wenn vernünftige Stimmen versuchen ihn zu überzeugen dass es Schwachsinn ist, was er tut. Diese Brutstätte des Bösen zu zerschlagen ist nahezu unmöglich, da sie es vermag, sich vollkommen von der Außenwelt abzuschotten und nur mit Handy und Fernbedienung in einer perfekten Symbiose zu leben.
Doch es gibt einen Lichtstreifen am Horizont. Eine Welle der Vernunft scheint sich all der Tweeties und Elche zu entledigen, die da im Nachmittagsprogramm ihr Schabernack treiben: der MTV und Viva Verband hat (wohlmöglich wegen grottiger Einschaltquoten) beschlossen, Anfang des nächsten Jahres das Ausstrahlen von Klingeltönen einzustellen. Für mich ein Schritt in die richtige Richtung, aber keine wirkliche Befreiung, denn seien wir doch mal ehrlich: was wird denn passieren? Tweety flattert einfach zu Sat1 oder RTL, um weiterzunerven. Doch wird es dort enden? Was, wenn es Tweety bis zum Öffentlich Rechtlichen schafft? Eine Horrorvorstellung, ja, aber auch eine ernste Gefahr.

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